Erfolgreiche Premiere:
Das Mosáico Orchestra Cologne
Ein energetischer Konzertabend mit feinen Nuancen und Überraschungen
Eine Rezension von Marianne Steffen-Wittek
Der Globale Musik Köln e.V. lud am 02.09.24 zur Premiere des Mosáico Orchstra Cologne unter der künstlerischen Leitung von Alessandro Palmitessa, Klaus Mages und Ruddi Sodemann in das Comedia Theater Köln ein. Das Publikum erlebte ein 15-köpfiges Ensemble dessen Mitglieder unterschiedliche musikalische Mosaiksteine mitbrachten, um sich auf eine kreative Begegnung einzulassen.
Das erste Stück ließ Raum für freie, modale und tonal gebundene Tutti-Improvisationen, für instrumentale und vokale Soli. Maryam Akhondys kontrastreicher Gesang wurde vom Ensemble einfühlsam getragen. Auch Nidhi Udupa Raghava begeisterte mit einer ansteckenden vokalen Musizierfreude. Hochkarätige solistische Instrumental-Improvisationen zeugten von unterschiedlichen musikalischen Biographien, die sich nicht auf Herkunft und regionale Besonderheiten verkürzen lassen. Die drei Bläser und Improvisationskünstler Bellan Mustafa (G-Klarinette), Norbert Rodenkirchen (Querflöte) und Alessandro Palmitessa (Saxophon) bereicherten das Programm auf jeweils individuelle und stilistisch unterschiedliche Weise.
Ali Alward berührte mit dem Liebeslied Shlon mi hiba, bei dem der Klang der Oud im Mittelpunkt stand. Die stilistisch vielseitige Johanna Stein überzeugte einerseits mit ihrem körpersinnlichen, energetischen Cellospiel und Gesang, andererseits mit einer zarten, filigranen Spielweise bei den lyrischeren Darbietungen. Ein 11/8-Stück mit dem Titel Serseri stammte von Umut Piera, der mit seinem Gesang und Baglama-Spiel das gesamte Ensemble zu einer souverän und lebendig vorgetragenen Improvisation mitriss. Ruddi Sodemann war mit seiner Violine, seiner körperlichen Präsenz und nonverbalen Zeichengebung ein wichtiges Bindeglied im Ensemble.
Für eine gelungene Überraschung sorgte die Rapperin Tice. Mit ihrem äußerst präsenten Layed-Back Rap und ihrem sicheren Gespür für rhythmische und sprachklangliche Nuancen erreichte sie sowohl das jüngere als auch das ältere Publikum. Die Live-Begleitung von Udo Dahmen (Keyboard), Cosimo Erario (E-Gitarre), Georg Berhausen-Land (E-Bass), Klaus Mages (Schlagzeug) und Gabriel Tobar Gaete (Percussion) erwies sich als groovig satte Grundlage, auf der Tice ihren herausfordernden und energiegeladenen Rap entfalten konnte.
Erfreulich, wie die 15 Musik-Persönlichkeiten an diesem Abend zusammenfanden und dem Publikum ein vergnügliches, inspirierendes Konzerterlebnis verschafften.
Zu wünschen ist, dass das Mosáico Orchstra Cologne weiterhin ohne musikalische Berührungsängste und fernab von ideologisch geprägter Traditionsmystifizierung auf die spannende Suche nach einem kreativen, interaktiven Musikschaffen geht und dies mit einem neugierigen, offenen Publikum auch in Zukunft teilen wird.
Marianne Steffen-Wittek leitete als Professorin den Studiengang EMP/Rhythmik an der Hochschule für MusikFranz Liszt in Weimar. Sie komponiert Jazzmusik und ist Schlagzeugerin und Vibraphonistin in einem Jazz-Quartett und lebt in Köln.